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Die größte Beerenfrucht der Welt

Der Kürbis ist die größter Beerenfrucht der Welt

Cucurbita pepo L. ist eine dicotyle, epigäisch keimende Pflanze (ROBINSON und DECKER-WALTERS, 1997). Bei der epigäischen Keimung wachsen die Keimblätter, getragen vom Hypokotyl, über das Wuchsmedium empor und die Samenschale wird im späteren Wachstumsverlauf abgeworfen.

  • Wurzel


Kürbisse besitzen ein ausgedehntes Wurzelsystem (KRUG, 1991). Es ist weit verzweigt, aber verhältnismäßig flach (SCHUSTER, 1992). Kürbisgewächse besitzen generell ein starkes Wurzelsystem, welches bis zu einer Tiefe von 2 m bei Gurken und 1 m bei Kürbis in den Boden eindringen kann. Die meisten Wurzeln befinden sich aber in den obersten 60 cm. Adventivwurzeln können aus Knoten ohne Bodenkontakt des Sprosses entstehen (ROBINSON und DECKER-WALTERS, 1997).

Keimling des Steirischen Ölkürbis, © NEBAUER
  • Spross und Blatt


Der Spross und der Laubblattstiel sind mehr oder weniger stachelig behaart, eckig und furchig (ALEFELD, 1966). Der rankende Spross kann bis zu 10 m lang werden. Die gewöhnlich 10 bikollateralen Leitbündel sind in zwei Ringen angeordnet. Im bikollateralen Gefäßbündel ist das Xylem zwischen zwei Phloemsträngen eingebettet. Die anormale Sprossanatomie der Kürbisse dürfte der Erhöhung der Sprossflexibilität, der Erleichterung des Nährstofftransportes und der Förderung der Wundheilung dienen (ROBINSON und DECKER-WALTERS, 1997). Der Kürbis, als Vertreter der bei uns angebauten ursprünglich tropischen Kulturpflanze, hat die höchste Wachstumsrate. Er kann unter optimalen Vegetationsbedingungen eine täglich zusätzliche Sprosslänge von 14 cm erreichen (MÜLLER und MÜLLER, 1994). Die Blätter des Ölkürbisses sind langgestielt, groß, meist gezahnt und vielfach mehr oder weniger (3-7-fach) gelappt (SCHUSTER, 1992). Die Blätter und Blattstiele sowie die flachkriechenden Triebe sind kurz, steif bis stachelig behaart. Es wird pro Sprossknoten nur ein Blatt ausgebildet (ROBINSON und DECKER-WALTERS, 1997).

Keimling des Steirischen Ölkürbis, © NEBAUER
  • Blüte und Frucht


Die Ölkürbisblüten sind monözisch-diklin, männliche und weibliche Blüten stehen getrennt auf der selben Pflanze. Die weiblichen Blüten sitzen an einem kurzen dicken, die männlichen an einem langen dünnen Stiel. Das Perianth ist radiär, fünfzählig und heterochlamydeisch. Die Kelchblätter sind bis auf die Zipfel mit der Blütenachse verwachsen. Die gelbe, sympetale Korolle ist trichterförmig und innen dicht mit Haaren besetzt. Am Blütenboden befinden sich weißlich-gelbe, unregelmäßige Erhebungen, die Nektar ausscheiden. Das Andrözeum besteht aus fünf zu einer Säule verwachsenen Staubblättern, deren einfächrigen Antherenhälften häufig ein wenig gekrümmt sind. Das Gynäzium wird in der Regel von drei Fruchtblättern gebildet. Der Fruchtknoten ist unterständig. Die Samenanlagen sitzen am Rande der Fruchtblätter und sind bezüglich des Fruchtknotens wandständig. Der säulenförmige Griffel trägt die papillöse, meist dreilappige Narbe. Die drei Narbenlappen entsprechen den drei Fruchtblättern. Der Griffel ist vollkommen verwachsen, sodass Bestäubung auf einem Narbenlappen auch zur Befruchtung der anderen Fruchtblätter führt (NEUMANN, 1952; V. BOGUSLAWSKI und BEHNE, 1956). Im Allgemeinen beginnt der Bestand sechs bis sieben Wochen nach Aufgang zu blühen. Kürbis ist weitgehender Fremdbestäuber. Die Blühdauer einer Pflanze erstreckt sich je nach Umwelt-bedingungen (Nährstoff- und Wasserversorgung, Standweite, Lichtverhältnisse) und Bestäubungsverhältnissen bzw. Fruchtansatz über 1-16 Tage. Es können während dieser Zeit bis zu 18 weibliche und ein Vielfaches an männlichen Blüten aufblühen. Die männlichen und weiblichen Knospen öffnen sich etwa bei Sonnenaufgang um 04.00 Uhr. Die Blüten bleiben bis 10.00 Uhr oder bis 12.00 Uhr turgeszent und welken dann meist sehr rasch, an heißen Tagen schon ab 09.00 Uhr. In dieser kurzen Zeit findet die Bestäubung durch Hummeln und Bienen statt. Nach der Bestäubung welken die weiblichen Blüten beschleunigt ab (NEUMANN, 1952). Die zuerst bestäubte Blüte hemmt die Befruchtung anderer Blüten. Die Stärke der Hemmung hängt dabei wesentlich von der Anzahl der befruchteten Samenanlagen in der ersten Frucht ab. NEUMANN (1952) stellte fest, dass bei Bestäubung aller weiblichen Blüten einer Pflanze nur die erste Blüte verbleibt und hemmend auf die später bestäubten wirkt. Somit reifen die zuerst bestäubten Früchte besser aus und bringen auch die höchsten Erträge. Die von der ersten Frucht ausgehende Hemmung nimmt nach BOGUSLAWSKI und BEHNE (1956) mit zunehmender Entwicklung ab. Dies bedeutet, dass ab einer bestimmten Größe der ersten Frucht eine weitere, erfolgreiche Bestäubung möglich ist

Erntereife Steirische Ölkürbisse, © NEBAUER
  • Frucht und Samen


Die Frucht wird botanisch als Beere bezeichnet. Sie können morphologisch je nach genetischer Veranlagung und Umweltbedingungen sehr verschieden sein. Die Form kann von kugelig bis tonnenförmig, mehr oder weniger abgeflacht, walzen- oder birnenförmig variieren. Die Farbe variiert auch von hellgelb, orange, hellgrün bis dunkelgrün, einfärbig, gesprenkelt oder gestreift (SCHUSTER, 1992). Die Samen entwickeln sich in den 3 bis 5 Fächern der Frucht an grob fasrigem Gewebe (SCHUSTER, 1992). In den reifen Früchten degenerieren die Placenten, die Samen liegen frei in der Fruchthöhle und können unter Umständen auch in der Frucht keimen (KRUG, 1991).

Die Größe eines Ölkürbissamens liegt im Durchschnitt bei 12 bis 16 mm Länge, 8 bis 12 mm Breite und 2 bis 3 mm Dicke. Die Form ist oval bis eiförmig, flach, mit zugespitzten Würzelchen (SCHUSTER, 1992). Die Größe und Form bzw. Bauchigkeit der Samen schwankt stark. Das durchschnittliche Tausendkorngewicht liegt bei ca. 200 g (BOGUSLAWSKI, 1953). Je Frucht entwickeln sich 16 bis 393 Samen (IDOURAINE et al., 1996). Es werden 60-80 g Korngewicht je Frucht erreicht (KOPETZ und PELZMANN, 1991). Die in Österreich angebauten Ölkürbissorten sind weichschalig bzw. "schalenlose Kürbisse". BUCHINGER (1944a) nimmt an, dass es sich bei der Schalenlosigkeit um eine Verlustmutation handelt. Die Schalenlosigkeit bedeutet nichts anderes als eine Reduktion der Samenschale auf ein sehr dünnes Häutchen und wird derzeit als eine genetisch rezessive Mutation angesehen (REITERER, 1994). Die sogenannte Schalenlosigkeit müsste demnach richtiger als Weichschaligkeit bezeichnet werden.

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